HABANITA Ein über hundertjähriger Duft, welcher den mondänen Zeitgeist der années folles bis heute in sich trägt

In den Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts, Frankreich, vor allem Paris, zog unzählige kreativen Geister aus aller Welt, welche für eine der aufregendsten Zeiten im Kulturleben gemeinsam sorgten: les années folles, die „verrückten Jahre“. Der freie Erfindungsreichtum der Epoche entfachte fortdauern die Sinne: 1921 war nämlich nicht nur das Geburtsjahr von Chanel No. 5, sondern auch eines besonders betörenden Duftes, Habanita von Molinard.

Image: Cotton bro.

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Im Jahr 1921, Molinard, der bereits seit 1849 etablierte französische Parfümhersteller aus Grasse, überraschte das Publikum mit einer neuen Kreation: Habanita, einem Duft, welcher als le parfum le plus tenace du monde oder „der hartnäckigste Duft der Welt,“ bekannt werden sollte. Die vermeintliche Hartnäckigkeit des Duftes entsprach ebenfalls die eifrige Entdeckungswille der Frauen der Zeit, welche bereits seit dem ersten Weltkrieg neue Berufe ausüben durften. Die Überschreitung von extern auferlegten gesellschaftlichen Schranken sollte aber nicht nur für den Moment der Krise gelten. In der Zeit des Vergnügens, den Goldenen Zwanziger, schienen junge Frauen nicht zu kurz kommen zu wollen und waren vor allem eins: experimentierfreudig. Dazu gehörte es, alles auszuprobieren, was vor dem Krieg an schicklichen Damen nicht gern gesehen wurde: kurze Haare tragen, Make-up auflegen und eine schlanke, burschikose, quirlige Erscheinung zur Schau stellen. * Das öffentliche Rauchen von Zigaretten, lange als Männerdomäne angesehen, wurde nun begehrenswert als Teil eines neuen weiblichen Selbstverständnisses, als Inbegriff von Freiheit und Unabhängigkeit, was später sogar von Eleanor Roosevelt vorgemacht werden sollte: die erste First Lady, die sich nicht scheute, in der Öffentlichkeit zu rauchen. **

Den Zeitgeist aufgreifend, brachte Molinard gleich am Anfang des Jahrzehnts den orientalisch angehauchten Duft Habanita heraus, als ein Parfum pour cigarettes, ein Zigarettenparfüm, welches die Persönlichkeit der Trägerin unterstreichen sollte: eine Frau die, befreit von jeglichen Hindernissen, in der Lage war, ihren eigenen Ausdruck so eigenständig und mannigfaltig wie möglich zu gestalten. Habanitas Zusammensetzung, welche im Jahr 2012 leicht neu formuliert wurde, bot dafür die perfekte Alternative: mit circa sechs hundert Inhaltsstoffen ist diese raffinierte Duftkomposition unschlagbar vielseitig. Während die Kopfnote einen zart-pudrigen, zitrisch-blumigen Akkord aus Petitgrain, Geranie und Mastixstrauch für einen ersten, beeindruckenden Eindruck sorgt, entfaltet die Herznote einen betörenden blumig-erdigen, rauchig-würzigen Charakter bestehend aus Ylang-Ylang, Jasmin, Mimose, Rose, Vetiver, Zeder, Heliotrop und javanische Muskatnuss. Abgerundet wird Habanita mit den tiefen, sinnlichen Basisnoten von Patschuli, Sandelholz, Amber, madagassische Vanille und Moschus.

Im heutigen #metoo-Zeitalter hat diese elegante Duftkreation von Molinard nichts mehr mit dem Tabu-Bruch des öffentlichen Zigarettenrauchen der Frauen von damals zu tun. Über hundert Jahre nach ihrer Entstehung spricht das facettenreiche Habanita aber immer noch die Sehnsucht nach Freiheit an, diesmal verstanden als ein unstillbares Verlangen nach Authentizität, mitten in der allgegenwärtigen Massengesellschaft. So ein kostbarer Inhalt, wie könnte es anders sein, wird von drei Najaden bewacht: die Wassernymphen zieren im Art déco-Stil den tiefschwarzen Flacon, welcher für das hundertjährige Jubiläum des Duftes in ein festliches, leuchtendes Rot verwandelt wurde. Wer gerne im orientalischen Hauch eines durch und durch mondänen, langanhaltenden Parfüms eintauchen möchte, soll Habanita (Affiliate Partner-Link, Flaconi.de) für sich entdecken. Ein nostalgischer, zeitloser Genuss für alle Geschlechter, besonders im Herbst und Winter. Aber Achtung: Adults only!

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**Suzanne Dworak-Peck der USC University of South California.

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